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DER HELM DER WOCHE 15|69
"HATTEN SIE KEINE ANGST ABGESCHOSSEN ZU WERDEN?" "WIESO, ICH HATTE DOCH EINEN HELM AUF."
 

DER HELM DER WOCHE 15|69

Landung auf dem Roten Platz

DER KREMLFLIEGER MATHIAS RUST

Immer den Schienen nach

Rust flog am Morgen des 28. Mai 1987 über die finnisch-sowjetische Grenze Richtung Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, und folgte dann der Eisenbahnlinie Richtung Moskau. Die atomare Supermacht - von einem 18-Jährigen wurde sie ausgetrickst.

Der damalige Generalsekretär der Kommunisten Partei der Sowjetunion, Michael Gorbatschow, betonte: "Wenn ein Flugzeug es schafft, über die UdSSR zu fliegen, ohne aufgehalten zu werden - ja, nicht einmal entdeckt hat man ihn - so beweist dies die Unfähigkeit unserer Abwehr."

Ein Film wird gedreht?

Was so nicht stimmt! Neueste Aufnahmen zeigen: Zwei MIG-23 Kampfflugzeuge begleiteten die "Cessna" eine Zeitlang, niemand aber gab den Befehl zum Abschuss. Die MIGs drehten ab, Rust flog weiter. Ein ehemaliger Kreml-Bevollmächtiger erinnert sich: "Man sagte uns, macht Euch keine Sorgen, die Maschine darf fliegen. Es wird ein Film gedreht!"

Um 18.15 Uhr Ortszeit drehte Rust mehrere Runden über dem Roten Platz und landete dann nahe der Großen Moskwa-Brücke neben der Basilius-Kathedrale. Sofort wurde er von Schaulustigen umringt. "Maladez" nannten ihn die Sowjetbürger, ein toller Bursche. Die meisten fanden Rust einfach toll.

Verhandlung im September 1987 vor dem Obersten Gericht in Moskau. Rust wurde zu vier Jahren Arbeitslager verurteilt, dann aber ins Lefortowo-Gefängnis gebracht, wo politische Häftlinge und Westspione einsaßen.

"Eine provokante Aktion"

Gorbatschow hingegen nicht: "Er machte uns auf viele Probleme aufmerksam, nicht nur mich, sondern auch das Militär, das versagte. Es war, das muss man sagen, eine provokante Aktion!"

Die "Perestroika", der Umbau der Gesellschaft, war noch jung und Gorbatschow nutzte die Situation geschickt, um den Verteidigungsminister und den Chef der sowjetischen Luftwaffe sowie 300 ihm feindlich gesonnene Offiziere zu entlassen. Der Kreml-Chef erkannte schnell, dass das Unternehmen die Idee eines Einzelnen war, der angeblich den Weltfrieden retten wollte. Das Verhältnis zu Deutschland wurde nicht belastet.

Begnadigung nach 14 Monaten Haft

Zudem sorgte der junge Mann beim Gerichtsprozess in Moskau mit manchen Antworten für Verwunderung. Einer der Prozess-Dolmetscher berichtet: "Er wurde gefragt, Herr Rust fürchteten Sie nicht abgeschossen zu werden? Und er antwortete: wieso, ich hatte doch einen Helm auf!"

 

Quelle: ARD

Mathias Rust zu Gast bei Jörg Thadeuz

Der Kremlfilieger - Doku, ARD 2012