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DIE HELME DER WOCHE 43|69
HOLLAND IN NOT – Von den Anfängen militärischer Überwachungssysteme in den Niederlanden
 

Die Helme der Woche 43|69

HOLLAND IN NOT – Von den Anfängen militärischer Überwachungssysteme in den Niederlanden

Im Jahre 1924 berichteten niederländische Zeitungen von mysteriösen Vorfällen, die angeblich durch eine so genannte "Tödliche Strahlenaktivität" verursacht wurden. Unter dem Vorwand, diesen Phänomenen auf den Grund zu gehen, beschloss das niederländische Parlament die Bildung einer Organsiation namens "Komitee zur Anwendung physikalischer Waffen" unter Vorsitz von Gerhard Joan Elias, einem Professor für Elektrotechnik an der Technischen Universität Delft. Neben zahlreichen hochrangigen Offizieren und Vertretern diverser Wissenschaftsdisziplinen, gehörte dem Konsortium auch der junger Wissenschaftler J.L. van Soest an.

Recht früh entdeckte man, dass es die tödliche Strahlenaktivität nicht gab. Doch statt die Organsiation wieder aufzulösen, konzentrierte man sich nun auf die Entwicklung von Gerätschaften zum Ausbau der militärischen Verteidigung des Landes. Im Gebäude des niederländischen Militärwetterdienstes, das unter dem Decknamen “Meetgebouw" (Gebäudemessungen) fungierte, stellte die Regierung Räume für den Fortlauf ds Projektes zur Verfügung. Und so begann man unter Leitung von van Soest und seinem Assistenten P.D. Groot, einem Instrumentenbauer, mit der Untersuchung und Entwicklung von Abhörgeräten, einem Hochmeteorographen für die Militärwetterdienst, einer Infrarot-Erfassungsvorrichtung sowie einem Funksender und -empfänger für die holländische Artillerie. Viele dieser Innovationen waren ein großer Erfolg und brachten es zur Produktionsreife. Unter anderem ein elektronisches Abhörgerät von Flugzeugen, das uns heute als RADAR-Gerät geläufig ist, und im Jahr 1940 bei der deutschen Invasion schon früh die Flugzeuge der gegnerischen Armee ortete. Noch vor der Kapitulation flüchtete der an der Entwicklung maßgeblich beteiligte Wissenschaftler JLWC von Weiler mitsamt der Dokumentation des Gerätes nach England, wo er die Entwicklung mit englischen Radarspezialisten fortsetzte. Die Arbeit im "Meetgebouw" wurde nach der Kapitulation zwar fortgesetzt, jedoch veranlassten die Nazis die Zerstörung eines Großteils der hier entwickelten Gerätschaften.

Die aus dem "Komitee zur Anwendung physikalischer Waffen" hervorgegangen "Niederländische Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung" (TNO) existiert noch heute. "Ihr gesetzlicher Auftrag ist es, angewandte Naturwissenschaft und Technik in Verbindung mit Sozialwissenschaft allgemeinen Belangen dienstbar zu machen, wobei sie ausdrücklich zu allseitiger Unterstützung und internationaler Kooperation verpflichtet ist. Die TNO hat eine bedeutende Funktion bei der Vernetzung." (Wikipedia)

Das "Meetgebouw" wurde als Museum des TNO umfunktioniert und enthält vor allem militärtechnische Produkte und Laborgeräte mit meist experimentellem Charakter. Die oben abgebildeten Objekte stammen aus der Zeit von 1927 bis 1940  und sind der Sammlung von Professor van Soest entnommen.


Weiterführende Links:
Museum Waalsdorp
TNO